Die häufigsten Fragen zur IDD (Insurance Distribution Directive)

Für wen gilt die in der Versicherungsvertriebsrichtlinie geregelte Weiterbildungspflicht?

Die IDD-Richtlinie gilt gemäß § 34d Abs. 1 GewO für alle im Versicherungsvertrieb Tätigen - d.h. für Versicherungsvermittlern, die unmittelbar an der Vermittlung oder Beratung beteiligt sind. Dies beinhaltet jeden, der

  • beratende Tätigkeiten zu Versicherungsverträgen ausführt
  • Versicherungsverträge abschließt oder vermittelt
  • zu Verwaltung und Erfüllung von Versicherungsverträgen – insbesondere im Schadenfall – beiträgt

Die Weiterbildungspflicht betrifft demnach:

  • Versicherungsmakler und -vertreter
  • Versicherungsberater
  • Gebundene Versicherungsvermittler 
  • Personen, die verantwortlich sind für die Leitung des Gewerbebetriebs der Versicherungsvermittlung
  • unmittelbar bei der Vermittlung und Beratung mitwirkende Beschäftigte

Wie viele Stunden beträgt die jährliche Weiterbildungspflicht?

Sie müssen sich 15 Zeitstunden pro Kalenderjahr weiterbilden. Die Weiterbildungspflicht von 15 Zeitstunden gilt für Versicherungsvermittler, die ihre Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausüben. Auch sporadisch Tätige sind zur Weiterbildung verpflichtet.

Erhalte ich IDD Punkte für die Erfüllung der Weiterbildungspflicht?

Sie erhalten für die Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen keine IDD Punkte. Für die Erfüllung der Weiterbildungspflicht werden nur Zeitstunden herangezogen.

Ist die Weiterbildungspflicht von 15 Zeitstunden auch für Angestellte verbindlich?

Ja, auch Angestellte, die in der Vermittlung oder Beratung tätig sind, müssen sich 15 Zeitstunden pro Jahr weiterbilden. Die Weiterbildungspflicht gilt außerdem für Angestellte in der Vertragsverwaltung sowie der Schadenbearbeitung. Ebenso betrifft die Weiterbildungspflicht gemäß § 48 Abs. 2 VAG Angestellte von Versicherungsunternehmen, die unmittelbar oder maßgeblich am Versicherungsvertrieb beteiligt sind.

Welche Verwaltungsmitarbeiter müssen sich weiterbilden?

Die Weiterbildungspflicht für Mitarbeiter in der Verwaltung ist abhängig davon, ob die Verwaltungstätigkeit mit Beratungs- und Informationspflichten einhergeht. Haben die Tätigkeiten der Mitarbeiter Einwirkungsmöglichkeiten auf den Kunden oder eine Außenwirkung, so müssen die Mitarbeiter die Weiterbildungspflicht einhalten. Mitarbeiter, die rein interne Bürotätigkeiten ausüben, betrifft die Weiterbildungspflicht nicht.

Um zu entscheiden, ob Mitarbeiter von der Weiterbildungspflicht betroffen sind, empfiehlt es sich, eine Stellenprofil anzulegen. Aus dem Profil gehen die Tätigkeiten hervor, die ggf. eine Weiterbildungspflicht bedingen.  

Müssen sich auch Mitarbeiter ohne Kundenkontakt fortbilden?

Mitarbeiter müssen sich auf Basis ihrer Tätigkeiten fortbilden. Kundenkontakt hat keinen Einfluss darauf, ob ein Mitarbeiter von der Weiterbildungspflicht betroffen ist oder nicht.

Betrifft die Weiterbildungspflicht die Geschäftsleitung? Kommt hier das Delegationsprinzip nach § 34d Absatz 9 GewO zum Tragen?

Es ist möglich, die Weiterbildungspflicht auf eine angemessene Anzahl von Personen in der Führungsebene zu übertragen. Das Delegationsprinzip ist bezogen auf die Führungsaufgaben der Leitungsebene und besagt, dass sich in Ausnahmefällen nicht immer die gesamte Geschäftsleitung weiterbilden muss. Die persönliche Weiterbildungspflicht von Vertriebs- und Servicekräften kann nicht delegiert werden.

Grundsätzlich ist jeder von der Weiterbildungspflicht betroffen, der Versicherungen vermittelt, Kundenberatungen durchführt, die genannten Tätigkeiten beaufsichtigt oder maßgeblich beeinflusst.

Inwiefern müssen sich Führungskräfte hinsichtlich der IDD (Insurance Distribution Directive) fortbilden?

Führungskräfte sind von der Weiterbildungspflicht betroffen, sofern diese Tätigkeiten ausüben, die unter den Versicherungsvertrieb fallen. Sie müssen die 15 Zeitstunden pro Jahr dann erfüllen.

Müssen sich auch Vertriebsmitarbeiter weiterbilden, die von Führungskräften eingelernt und betreut werden, die der regelmäßigen Weiterbildungspflicht nachkommen?

Ja, Vertriebsmitarbeiter, die beraten oder vermitteln, müssen sich persönlich weiterbilden. Eine Delegation gem. § 34d Abs. 9 GewO ist nicht möglich.

Müssen auch Mitarbeiter in Teilzeit oder geringfügig Beschäftigte die vollen 15 Zeitstunden der Weiterbildungspflicht erfüllen?

Ja, auch diese Mitarbeiter müssen sich 15 Zeitstunden pro Jahr weiterbilden.

Müssen sich produktakzessorische Vermittler gemäß der IDD Richtlinie weiterbilden?

Auch produktakzessorische Vermittler müssen sich regelmäßig weiterbilden, jedoch nicht die 15 Zeitstunden erfüllen. Stattdessen müssen diese sich über regelmäßige, geeignete Maßnahmen weiterbilden. Die Kontrolle muss anlassbezogen von den Versicherungsunternehmen erfolgen.

Müssen Annex Vermittler die Weiterbildungspflicht erfüllen?

Nein.

Wie hoch ist die Weiterbildungspflicht für Mitarbeiter, die aus der Elternzeit, von längeren Krankheit, usw. zurück in den Beruf kommen?

Es ist nicht relevant, wann jemand die Versicherungsvertriebstätigkeit wieder aufnimmt. Auch bei der Rückkehr nach längerer Krankheit, Elternzeit etc. muss die Weiterbildungspflicht von 15 Zeitstunden pro Jahr eingehalten werden. War jemand aufgrund einer schweren Erkrankungen oder Elternzeit ein ganzes Kalenderjahr (!) nicht tätig, so muss laut Begründung zur VersVermV in diesem Jahr keine Weiterbildung nachgewiesen werden.

Muss ich an „gut beraten“ teilnehmen?

„guten Beraten“ ist für die Erfüllung der Weiterbildungspflicht nicht erforderlich. Es ist lediglich der Nachweis der 15 Weiterbildungsstunden notwendig. Die jeweiligen erworbenen Weiterbildungsstunden werden Ihnen vom Leiter einer Weiterbildung, zum Beispiel auf SwitchYou, bestätigt.

Wie muss ich meine Weiterbildungsstunden nachweisen?

Ihre Aufsichtsbehörde kontrolliert in unregelmäßigen Abständen die Einhaltung der zur Weiterbildung verpflichteten Mitarbeiter. Sie müssen nicht jährlich einen Nachweis einreichen. Stattdessen müssen Sie die Bescheinigungen der Weiterbildungen sammeln und nach Kalenderjahren verwalten.

Über ein genaues Kontrollverfahren wird noch beraten. Über regelmäßige Routinekontrollen durch die Aufsichtsbehörde wird, neben anlassbezogenen Prüfungen, beraten.

Was muss eine Weiterbildung beinhalten, um anerkannt zu werden?

Gemäß § 7 Abs. 1 VersVermV gilt: „Die Weiterbildung muss dabei mindestens den Anforderungen der ausgeübten Tätigkeiten des zur Weiterbildung Verpflichteten entsprechen und die Aufrechterhaltung seiner Fachkompetenz und seiner personalen Kompetenz gewährleisten.“ 

Die Weiterbildung muss der konkreten Tätigkeit des Weiterbildungspflichtigen entsprechen. Einen inhaltlichen Ansatzpunkt für die versicherungsfachliche Qualifikation gibt Anlage 1 der VersVermV.

Der Gesetzgeber eröffnet durch das Erwähnen der „persönlichen Kompetenz“ die Möglichkeit, auch Trainings als Weiterbildungsveranstaltungen zu besuchen, die für die Sozialkompetenz sowie die Fähigkeit zum selbstständigen Handeln gegenüber Kunden befähigen.

Welche Formalen Anforderungen muss eine Weiterbildung erfüllen, damit sie anerkannt wird?

Die Anforderungen sind in der VersVermV Anlage 3 festgehalten. Die Weiterbildung muss demnach geplant sein – d.h. es muss eine Konzeption, Beschreibung für Teilnehmer sowie ein Ablaufplan vorliegen. Auch eine systematische Organisation muss gegeben sein, d.h. dass die Teilnehmer in Textform eingeladen worden sein müssen sowie die Anwesenheit der Teilnehmer dokumentiert werden muss. Außerdem muss sichergestellt werden, dass der Trainer für die Weiterbildungsmaßnahme geeignet ist.

Was passiert, wenn ich die 15 Stunden Weiterbildungspflicht nicht nachweisen kann?

Können Sie oder ein zur Weiterbildung verpflichteter Mitarbeiter die erforderlichen 15 Weiterbildungsstunden nicht nachweisen, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Diese wird mit bis zu 3.000,- EUR je Verstoß geahndet. Kommt es zu mehrfachen Verstößen, so ist die gewerberechtliche Zuverlässigkeit ggf. nicht mehr gegeben. Ihnen könnte die § 34d GewO-Erlaubnis entzogen werden.